Genüsslich wälzte sich Beka im Halbschlaf herum. Eine Strähne ihres zersausten blondes Haarschopfes fiel ihr übers Gesicht und kitzelte sie an der Nase. Mit der einen Hand träge die Strähne aus dem Gesicht streichend, zog sie mit der anderen die Decke höher, gab sich dem Gefühl von Seide auf nackter Haut hin und kuschelte sich instinktiv an den Mann neben ihr, der sie - den Kopf aufgestützt - im Schlaf beobachtet hatte und sich gelegentlich ein Schlückchen echten Champagners aus einem Kristallkelch gegönnt hatte. Auch er war blond, aber seine Haare waren kurz und durchgestylt wie alles an ihm.

Ein Hauch fremdes Aftershave stieg Beka in die Nase. Langsam öffnete sie die Augen und allmählich sickerte in ihr Unterbewusstsein, wo sie sich befand und vor allem - bei wem... wie viel von dem Champagner hatte eigentlich sie getrunken, bevor...? Eine zarte Röte stieg ihr ins Gesicht. Oh, wie sie dieses Gefühl der Unsicherheit am Morgen nach einem One-night-stand hasste.

Der Mann neben ihr lächelte und prostete Beka amüsiert zu. "Ich wette, du hattest noch nie so eine berauschende Nacht… was kein Wunder wäre, wenn man bedenkt, dass menschliche Männer nicht so - überlegen gebaut sind."

Typisch nietzscheanische Selbstverliebtheit, stellte Beka fest und ärgerte sich im gleichen Moment, dass sie noch mehr errötete.

"Diese Wette hast du verloren", erwiderte sie spitz und drückte sich tiefer in den Berg von Kissen, der sich im Überfluss auf der nächtlichen Spielwiese türmte. Seide und Satin fühlten sich verdammt gut an... und direkt gelogen hatte sie auch nicht. Es kam nur darauf an, worauf genau man das Adjektiv berauschend bezog. Unwillkürlich musste Beka an ihre Flash-Exzesse denken. Das war wahrlich berauschend und der Kater hinterher war der pure Wahnsinn gewesen.

"Aber, aber, Beka." Der blonde Nietzscheaner schnalzte missbilligend mit der Zunge, doch seine Augen straften seine Worte Lügen. Er scherzte in der ihm eigenen, leichtfertigen Art.

"Was wäre denn dein Wetteinsatz gewesen?" Auf seine lockeren Tonfall eingehend zupfte Beka zunächst verlegen am Saum der Bettdecke und konnte dann ihre Finger doch nicht bei sich behalten. Sie ließ sie über seine Arme hinauf zu seinen Schultern wandern. Muskelbepackt wie manch anderer Nietzscheaner mochte er zwar nicht sein, aber dennoch stark und sehr gepflegt.

"Ich hätte da ein paar Ideen..." Er stellte das Glas ab, dann wandte er sich Beka zu. "... interessiert?" flüsterte er, als sich sein Gesicht Beka bis auf wenige Zentimeter genähert hatte.

"Ist das ein Befehl?" Sie legte ihren Zeigefinger auf seine Lippen und stoppte ihn. Er war so herrlich dekadent und geradlinig. Kein Taktieren, straight zum Ziel. Beka machte sich keine Illusionen, ob das hier der Beginn einer wundervollen Liebesgeschichte war. Es war und blieb ein One-night-Stand mit Nachspiel.

"Beka." Mit einem angedeuteten Schmollmund zog er sich wieder ein Stück zurück. Katz und Maus mit Worten. "Ich kann mich nicht erinnern, mich jemals in einer Frau getäuscht zu haben. Ich brauche nicht zu befehlen. Meine Wünsche sind deine Wünsche, das sehe ich."

Beka grinste breit. "Dann eben: wie Eure Majestät wünschen."

Charlesmagne Bolivar, Sohn des Erzherzogs der vereinigten Sabra-Jaguar-Stämme, erwiderte ihr Grinsen. "Noch etwas Champagner oder...?"

Der Einladung in seiner Stimme konnte Beka nicht widerstehen.

***

Elsbett Bolivar, geborene Mossadim, drehte sich verächtlich um. Gerade hatte sie sich in ihrer gewöhnlich herablassenden Art über ihre kurze Affäre mit Dylan geäußert, nur, um die blonde Menschenfrau zu ärgern – etwas, das Elsbett zur Kunstform erhoben hatte – und freute sich bereits auf die Bestürzung, mit der Beka Valentine auf dieser Eröffnung reagieren würde.

Doch diese grinste noch andeutungsweise verächtlich, zog eine Augenbraue leicht in die Höhe und antwortete. „Ich hoffe, Dylan war… den Fähigkeiten von Charlesmagne... ebenbürtig.“ Sie ließ jede Silbe auf der Zunge zergehen. Oh, süße Rache… auch wenn sie manchmal unerwartet kam.

Elsbett Bolivar war eines der wenigen Male in ihrem Leben sprachlos.

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