Rommie
"Was denkst du, wie lange brauchen wir noch, um diese Klapperkiste wieder flugfähig zu bekommen?" Dylans Worte reißen mich aus meinen Gedanken. Ich lächele leicht und schüttele den Kopf in der Annahme, dass es eigentlich eine rhetorische Frage war. Es sind jetzt schon zwei Tage vergangen, seit wir auf diesem Planeten fest sitzen und die Reparaturen an der Maru gehen nicht so voran, wie wir es uns gewünscht hätten. Irgendwie kommt mir das alles ziemlich komisch vor. Noch vor zwei Tagen waren wir auf dem Weg, Dylans Freund, Marshall Torex zu besuchen, da dieser angeblich einige wichtige Informationen für ihn hatte, die er nicht auf dem normalen Kommunikationsweg preisgeben wollte. Und jetzt..... nachdem wir in die Ausläufer eines Sonnensturms geraten sind, befinden wir uns hier auf diesem Planeten am Ende von Nirgendwo und versuchen, aus der Situation das Beste zu machen. In unserem Fall besteht "das Beste" aus endlosen Reparaturarbeiten an der Maru.

Als ich ihm nicht gleich antworte, blickt Dylan mich etwas überrascht an und sagt: "Hast du mich nicht gehört, Rommie?"

Ich drehe mich jetzt zu ihm um, das Werkzeug noch immer in meiner Hand und antworte: "Ich habe nicht damit gerechnet, dass du wirklich eine Antwort haben wolltest. Ich dachte, du hättest mit dir selbst gesprochen. Es ist schwer zu sagen: die Plasmaleitungen sind noch immer nicht einsatzfähig und wie ich sehe, ist auch der Slipstreamantrieb beschädigt. Ich schätze, dass wir noch einen Tag brauchen werden."

Dylan
Schweigend nicke ich und wende mich wieder meiner Arbeit zu. Ich kann nicht gerade behaupten, dass langwierige Reparaturen zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehören. Nach einer gewissen Zeit werde ich unruhig und fühle den Drang, mich zu bewegen. Wie Harper stundenlang durch Installationsschächte krabbeln, Wartungsarbeiten durchführen und dabei noch gut gelaunt sein kann, wird mir immer ein Rätsel bleiben. Der einzige Lichtblick unserer derzeitigen Lage ist, dass es Rommie ist, mit der ich auf diesem Planeten und in dieser Klapperkiste festsitze. Wenn ich mir vorstelle, ich wäre mit Tyr hier gestrandet… lieber nicht. Auf diesem Schiff hat es nicht genug Platz für uns beide. Um wie viel angenehmer ist mir Rommie… sie redet nicht ohne Punkt und Komma wie Harper, meckert nicht wie Beka, dass ich in den Ausläufern des Sturms das Schiff nicht halten konnte und sie versucht nicht, unser kleines Missgeschick mit dem Universum in Einklang zu bringen wie Trance. Wir reden und lachen gelegentlich, sie setzt sich zu mir in die Bordküche, wenn ich mir etwas zu essen mache - und ich stelle fest, dass mir die Lage, wie sie im Moment ist, gefällt. Irgendwie enttäuscht mich ihre Aussage, dass die Reparaturen nur noch einen Tag brauchen werden. Schade. Ich zwinkere ihr zu, dann nehme ich die Arbeit wieder auf.

Rommie
Ist schon komisch....... seit wir hier fest sitzen, verändert sich sein Benehmen zunehmend. Zuerst war er wütend auf sich selbst, dass er das Schiff nicht halten konnte, dann ärgerte er sich maßlos über die Fehler die an der Maru auftraten, dann machte er sich enthusiastisch an die Arbeit, alles wieder hinzukriegen und seit ein paar Stunden wirkt er irgendwie....... bedrückt. Ist das das richtige Wort? Er kommt mir leicht abwesend vor, so wie ich ihn eigentlich gar nicht kenne. Besonders jetzt, nach meiner Antwort, sieht er merkwürdig aus. Ich bekomme langsam das Gefühl, dass es ihm nicht unangenehm ist, hier mit mir fest zu sitzen. Und er hat mir nicht ein böses Wort gesagt, weil ich den Sonnensturm nicht rechtzeitig entdeckt hatte. Wenn ich nur meine Haupt-KI erreichen könnte! Aber ich habe es schon so oft versucht und bin gescheitert. Sie befindet sich wohl zu weit von uns entfernt und damit ist auch keine Echtzeitkommunikation möglich. Vielleicht ist auch mein Signal zu schwach. Und unsere Freunde machen sich bestimmt noch keine Sorgen um uns. Schließlich haben wir ihnen gesagt, dass wir einige Tagen brauchen und ehe diese Frist abgelaufen ist, werden sie sich bestimmt nicht auf die Suche machen. Sie denken wohl, wir wären an unserem Ziel angelangt und vielleicht sind sie auch neidisch, dass wir uns so zu sagen einen "Urlaub" gegönnt haben, während sie auf Andromeda aufpassen müssen. Ich kichere in Gedanken bei der Vorstellung, wie es wohl Beka ergeht. Ich glaube nicht, dass sie sich wohl fühlt, alleine mit meinem anderen Ich. Es ist nicht leicht, mit meiner großen Schwester zu Recht zu kommen. Ich weiß, dass sie wirklich zickig sein kann, wenn sie mit irgendetwas unzufrieden ist. Stimmt, wir verstehen uns zwar gut mit Beka, aber für mich, sowie auch für meine Haupt-KI gibt es nur einen Captain und der sitzt hier fest, zusammen mit mir. Wir sind also ganz auf uns allein angewiesen. Eigentlich bin ich auch nicht unzufrieden. Ja, es gibt viel Arbeit, aber ......... wir haben zumindest Zeit, um uns zu unterhalten, während wir arbeiten. Und ich bekomme einen anderen Dylan zu sehen, einen Dylan, den ich vorher so nie gesehen habe. Nicht den Captain, sondern Dylan Hunt. Warum kommt es mir so vor, als ob ich ihn erst jetzt richtig einschätzen kann? Nicht nur die Ehrengardefassade, auch den Mensch, der dahinter steckt. Erst jetzt sehe ich, dass er auch verletzlich ist, dass er durchaus darunter leidet, alles verloren zu haben, dass er sich leicht unsicher fühlt. So wie ich. Ja, ein Kriegsschiff sollte nicht solche Gefühle haben, aber ich habe sie nun mal. Ich fühle, wie ich immer menschlicher reagiere, wie ich immer mehr von meiner Besatzung lerne. Ist das gut oder schlecht? Ich kann es nicht beurteilen, aber eins kann ich mit Gewissheit sagen: es gibt mir ein Gefühl der Echtheit, ich fühle mich vielleicht zum ersten Mal so, als ob ich in diese Welt, die Welt der Wesen aus Fleisch und Blut, hineingehöre. Unbewusst hat Dylan viel dazu beigetragen. Er behandelt mich nicht nur wie sein Schiff, er behandelt mich wie ein Crewmitglied, wie jemanden, der ihm gleichgestellt ist. Nicht, dass ich es mir nicht wünschen würde...... aber manchmal bin ich doch leicht verwirrt, da ich nicht weiß, ob er mich auch später, wenn wir wieder zu Hause an Bord sind, so behandeln wird. Ich hoffe es zumindest, es gibt mir ein gutes Gefühl. Auch wir, die KIs, brauchen dieses Gefühl, dazu zu gehören, ein Teil dieser Realität zu sein, als Personen angesehen zu werden. Schließlich hat man uns mit allen Gefühlen ausgestattet, um leichter mit den Menschen umgehen zu können. Vielleicht ist das ein Nachteil, vielleicht mache ich es mir deswegen manchmal schwer, schnell die richtige Entscheidung zu treffen, aber ich würde trotzdem nie eine gefühlslose Androidin sein wollen. Ich habe Androiden getroffen, die keine Gefühle hatten und ich bemitleide sie. Sie werden nie wirklich verstehen können, wie die Menschen reagieren, wie sie denken. Obwohl ich mir ab und zu denke, es wäre besser, wenn ich keine Gefühle hätte, verwerfe ich solche Gedanken sofort. Ich will mich nicht ändern, ich will so bleiben wie ich bin. Vielleicht bin ich ein bisschen stolz auf mich selbst. Aber die Reaktionen meiner Freunde zeigen mir, dass ich es sein kann.

In Gedanken versunken arbeiten wir weiter, bis Dylan schließlich sein Werkzeug zur Seite legt und mich ansieht. "Ich glaube, wir haben für heute genug getan. Vielleicht sollten wir uns ein bisschen ausruhen. Morgen ist auch noch ein Tag, und wir können dann weiter machen." Er zittert leicht. Bei diesem Anblick kontrolliere ich automatisch die Umgebungstemperatur und stelle fest, dass es wirklich kälter geworden ist. Ich spüre es nicht, aber Dylan schon.

"Dylan, hast du vergessen, dass ich keinen Schlaf brauche?" frage ich ihn und lächele ein bisschen. Schon wieder ein Beweis dafür, dass er nicht nur die Maschine in mir sieht. Dann füge ich hinzu: "Ist es dir kalt? Soll ich vielleicht die Temperatur erhöhen? Ich könnte die Lebenserhaltungssysteme gleich reparieren." In Gedanken grinse ich leicht. Ich mache mir schon wieder Sorgen um sein Wohlbefinden und meine Stimme klingt besorgt. Eigentlich will ich es nicht, aber es geschieht ganz unbewusst, dass ich in solchem Tonfall spreche, wenn ich mir Sorgen um ihn mache.

Dylan
"Tatsächlich…" Ich bin verblüfft, wie ich das vergessen kann. Rommie isst nicht, trinkt nicht, friert nicht wie ich gerade - und schläft natürlich nicht. Was macht sie eigentlich in der Zeit, in der die anderen Crewmitglieder und ich schlafen? Mir wird wieder einmal bewusst, wie wenig ich wirklich von ihr weiß. "Du schläfst wirklich nie?" vergewissere ich mich. Schließlich hat sie ein eigenes Quartier an Bord der Andromeda.

Rommie
Ich neige meinen Kopf zur Seite: "Nun, ich brauche keinen Schlaf. Aber Harper hat mir eine Subroutine eingebaut, so dass ich, wenn ich will, auch auf bestimmte Weise schlafen kann. Ich schalte die meisten Systeme aus und man könnte sagen, ich schlafe. Aber ich habe es bisher nur einmal versucht. Das Gefühl nach dem Aufwachen gefiel mir nicht. Ich war irgendwie..... verwirrt, meine Reaktionen waren sehr langsam und ich brauchte einige Minuten, um alles wieder im Normalbereich zu kriegen. Also habe ich es nicht weiter versucht."

Dylan
Ich grinse breiter. "Es geht dir also genauso wie uns Menschen. Wir sind auch etwas benommen, wenn wir aufwachen und brauchen Zeit, um normal zu funktionieren. Harper hat anscheinend ganze Arbeit geleistet."

Rommie
Leicht genervt schüttele ich den Kopf. "Schon, aber ich brauche so was gar nicht! Ich muss immer einsatzfähig sein. Wie kann ich sonst für meine Crew sorgen, wenn ich desorientiert herum laufe? Was wäre, wenn wir angegriffen werden, während ich meine Systeme wieder hochfahre? Ich wäre verantwortlich dafür, wenn dir deswegen irgendetwas passieren würde." Plötzlich erkenne ich, dass ich das Wort "dir", anstatt "euch" benutzt habe und blicke verlegen zum Boden. Ich sollte besser aufpassen, nicht wieder so klar zu zeigen, dass er mir wichtiger als die anderen ist.

Dylan
Zu spät merke ich, was sie da gerade gesagt hat - doch ich habe schon laut aufgelacht, und als ich ihren verwunderten Blick bemerke, beruhige ich mich, während ich in aller Eile überlege, wie ich diese gefährliche Klippe am besten umschiffen kann. "Du solltest dir trotzdem mal eine Auszeit nehmen, Rommie! Ja, du bist eine KI, aber das bedeutet bei weitem nicht, dass du sich auch immer so benehmen musst. Weißt du, es gefällt mir, wenn du so menschlich reagierst. Und jetzt befehle ich dir, die Arbeit nieder zu legen und ein wenig zu schlafen!" Ich grinse sie an, weil ich es eigentlich wirklich als Scherz meine und davon ausgehe, dass sie es auch als solchen auffasst.

Rommie
Er hat meinen kleinen Ausrutscher offensichtlich nicht bemerkt. Seine Stimme klingt irgendwie belustigt und ich denke, auch sein Befehl war nicht als Befehl gemeint. Auch sein Grinsen bestätigt meine Vermutung. Aber, da ich die bin, die ich bin, muss ich den Befehl ausführen. Eigentlich ist es mir nicht unangenehm. Macht er sich vielleicht Sorgen um mich? Ich nicke mit einem Lächeln und lege den Nanoschneidbrenner bei Seite. Ich werfe noch einen Blick durch das Cockpitfenster und merke, dass es da draußen noch immer regnet. Eigentlich hat der Regen, seit wir hier fest sitzen, noch nicht aufgehört. Ich finde es interessant, da ich selten die Möglichkeit hatte, Regen zu erleben. Irgendwie beruhigt es mich, dieses leise Geräusch der Tropfen zu hören, die auf die Fenster der Maru herunter klatschen. Die kleinen Wasserläufe an den Scheiben ziehen meine Blicke magisch an. Ich fühle mich entspannt und kann meinen Gedanken freien Weg lassen. Ich kann Beka wirklich nicht verstehen, wenn sie sagt, sie würde Planeten und vor allem das Wetter dort hassen.

Let us talk no more, let us go to sleep,
Let the rain fall on the window pane,
and fill the castle keep,

Wir verlassen den kleinen Maschinenraum der Maru, gehen hinüber zu den Kojen. Ich bin mir nicht sicher, aber irgendwie nehme ich an, es wäre angemessener, wenn ich mich hinlegen würde. So wird sich Dylan vielleicht besser fühlen und wird nicht daran erinnert, dass ich eine Maschine bin. Ich könnte genauso gut im Stehen "schlafen", aber es würde ihn vielleicht stören. Ich weiß nicht warum, aber ich handele so, wie mir meine gesammelten Erfahrungen diktieren. Dylan legt sich hin und schließt die Augen. Ich zögere noch einen Augenblick und kann mich zuerst nicht entscheiden, wohin ich mich hinlegen soll, aber letztendlich wähle ich das Bett ihm gegenüber.

Dylan
Ich sehe Rommie einen Moment innehalten, bevor sie sich im Mannschaftsquartier der Maru für die Liege gegenüber von meiner entscheidet. Einerseits würde ich mich gern mir ihr unterhalten, andererseits ich bin müde und habe ihr nicht ganz uneigennützig befohlen, eine Pause zu machen. Ich fühle mich so… menschlich schwach, wenn ich sehe, wie unermüdlich sie arbeitet. Ich gebe es nur ungern zu, aber ich spüre jedes meiner 300plus Lebensjahre in den Knochen. Außerdem bin ich auf der Hut nach ihrem kleinen Versprecher vorhin. Die Situation riecht nach dem sprichwörtlichen Glatteis… trotz aller Gedanken ist es nur eine Frage von Minuten, bis mir die Augen zufallen…

Rommie
Ich betrachte ihn noch für eine Weile und merke bald, dass er eingeschlafen ist. Auch ich schließe meine Augen und beschäftige mich mit verschiedenen Gedanken. Vor allem mit Gedanken an Dylan und mich. Nein, ich kann es nicht verleugnen, ich habe ihn gerne. Sehr gerne sogar, viel mehr als ich sollte. Aber ist das Liebe? Liebe ich ihn? So wie eine menschliche Frau einen Mann liebt? Seit er mir auf diesem verdammten Empfang, den ich noch bis heute nicht ganz vergessen kann, so klar gezeigt hat, es könnte nie etwas mehr als Freundschaft unter uns werden, habe ich versucht meine Liebe zu unterdrücken und bis heute habe ich geglaubt, es geschafft zu haben. Aber jetzt……….. als ich ihn so ansehe……. da kommen Zweifel in mir auf und ich habe Angst, wieder in diesen Wirbel der Liebe und Trauer, Enttäuschung und Glück zu verfallen. Ja, ich versuche natürlich, ihn vor Gefahren zu beschützen und ich mache mir immer Sorgen, wenn er bedroht ist. Ich gestehe mir schließlich, dass ich mich - sollte ich dazu gezwungen werden, zwischen Dylan oder jemand anderem aus meiner Crew zu wählen - immer, ohne darüber nachzudenken, für ihn entscheiden würde. Ja, ich bevorzuge ihn. Ich versuche, es den anderen zu verheimlichen, aber ich habe das Gefühl, sie haben es auch schon gemerkt. Sie wissen, was ich für ihn empfinde. Und sie haben nichts dagegen. Dafür bin ich ihnen dankbar. Vielleicht ist es wirklich noch immer die Liebe, was ich für ihn empfinde. Wenn ich mich an das, was ich auf diesem Empfang für ihn empfand, erinnere, kann ich zugeben: ja, ich liebe ihn noch immer.

Ich schalte nacheinander meine Schaltkreise ab und lasse nur die wichtigsten Funktionen aktiv. Komisch! Ich kann meine Überwachungssensoren einfach nicht vollständig abschalten, ich muss über Dylan wachen! Ich halte meine Augen zwar geschlossen, aber ich überwache ihn doch ständig. Warum nur?

Ich denke daran, wie fremd es sich anfühlte, als er mich einmal küssen wollte. Er hat zwar danach gesagt, er hätte es nur deswegen getan, um mir zu ermöglichen, ihn von seinem Ebenbild zu unterscheiden, als die beiden - der echte und der unechte - sich einen Zweikampf lieferten. Aber ich konnte in seiner Entschuldigung nachher doch auch etwas mehr erkennen. Kann es sein, dass er mich gern hat? Seine physische Reaktionen waren verwirrend gewesen: ich hatte damals, als er sich zu mir beugte, eine stark erhöhte Herzfrequenz registriert, sein Adrenalinausstoß war rapide angestiegen und sein Atem war viel schneller und flacher als sonst gewesen. Kann ich es dem bevorstehenden Kampf mit seinem zweiten Ich zuschreiben? Oder waren vielleicht auch seine Gefühle dafür verantwortlich? Ich erinnere mich an meine Verwirrung, als sich seine Lippen fast auf meinen befanden, ich erinnere mich, wie meine Schaltkreise vollkommen verrückt spielten. Ich weiß noch heute, wie ich es mir sehnlichst wünschte, er würde es tun und gleichzeitig Angst davor hatte. Und ich glaube noch heute, etwas mehr in seinen Augen gesehen zu haben. Bei diesem Gedanken fühle ich mich wieder eigenartig. Was haben diese Schmetterlinge in meinem Bauch zu suchen?

Unsere Beziehung ist schon eigenartig! Ich weiß, dass ich ohne ihn nicht leben könnte. Später werde ich es tun müssen, aber so lange er lebt...... er hat mir versprochen, immer bei mir zu bleiben. Dafür bin ich ihm dankbar. Ja, ich fühle, dass er meiner Existenz einen Sinn gibt. Aber...... können wir je mehr als nur zwei Offiziere der Ehrengarde, mehr als Freunde sein? Können wir irgendwann.......... nein, ich denke lieber nicht daran, denn es kann nicht so weit kommen. Ich muss einen klaren Kopf behalten und nicht in irgendwelche Träumereien versinken. Aber doch tue ich es! Ich träume davon, irgendwann mit ihm die Weiten des Universums zu erforschen. Er hat mir versprochen, dass wir es gemeinsam tun werden. Und er bricht seine Versprechen nie!

I am weary now, weary to my bones,
Weary from the travelling,
And the endless country roads,
That brought us here tonight, for this weekend,
And a chance to work it out,
For we cannot live together, and we cannot live apart,
It's the classical dilemma between the head and the heart;


Dylan
Ich weiß nicht, wie lange ich geschlafen habe. Auch nicht, warum ich aufgewacht bin. Vielleicht das ungewohnte Geräusch des Regens, der in Strömen vom Himmel dieses Planeten fällt, laut auf die Maru trommelt und alle anderen Geräusche übertönt. Mein erster bewusster Gedanke gilt jedoch Rommie und ich sehe zu ihr herüber, sehe sie zum ersten Mal während unserer langen gemeinsamen Jahre scheinbar schlafend im Bett auf der anderen Seite des Gangs liegen, einen entspannten Ausdruck auf ihrem wunderschönen Gesicht. Es ist neu für mich, dass ich zur Abwechselung jetzt derjenige bin, der sie heimlich beobachten kann, so wie sie es normalerweise tut. Ich würde ihr gern dieses Gefühl der Geborgenheit zurückgeben, das ich fühle, wenn ich mitten in der Nacht aufwache und instinktiv weiß, dass sie da ist, wenn ich sie brauche. Wenn ich nicht sofort der Offizier Dylan Hunt bin, sondern nur ein menschliches Wesen. Der Wunsch, ihr dieses Gefühl zu vermitteln, dass jemand für sie da ist, wie eine unsichtbare Decke, die sich um sie legt, wird beinahe übermächtig. Doch gleichzeitig mit diesen Gefühlen warnt mich eine Stimme in meinem Kopf davor, dass nie sein kann, was nicht sein darf. Mehr als einmal war ich gefährlich nah daran, meine Prinzipien über den Haufen zu werfen. Da gab es diesen diplomatischen Empfang, den ich ohne sie nicht besuchen wollte - und zu dem sie in einem umwerfenden Abendkleid erschien, das so rot war wie ihre Lippen und an ihrem Körper wie eine zweite Haut aus Seide saß. Ich weiß, wie nah dran wir an diesem Abend waren… auch als diese Nietzscheaner auf die Idee kamen, ein Ebenbild von mir zu erschaffen und uns aufeinander zu hetzen. Ich bin mir nicht sicher, warum ich ausgerechnet da auf die Idee verfallen bin, Rommie küssen zu wollen. Es überkam mich einfach, wie sie da vor mir saß in meinem Quartier und ich ihr eigentlich wirklich nur sagen wollte, dass sie mir gefehlt hatte. Doch dann ergriff ich ihre Hände… nein! Ein letztes Mal noch kämpfe ich gegen die lange verborgenen und verleugneten Gefühle, die mit aller Macht an die Oberfläche wollen, an. Es darf nicht sein. Unsere Beziehung darf nicht über das hinausgehen, was es im Moment ist - Captain und Crewmitglied. Niemals.

Rommie
Ich merke überrascht, dass er anscheinend aufgewacht ist. Aber er öffnet seine Augen nicht und tut weiterhin so, als ob er noch immer schlafen würde. Ich zeige ihm nicht, dass ich es bemerkt habe, konzentriere meine Sensoren nur auf ihn und warte. Ich öffne meine Augen nur einen Spalt breit, so dass ich sehen kann, wie er plötzlich die Augen aufschlägt und zuerst leicht verwirrt um sich schaut. Dann finden mich seine Augen und er lächelt verträumt. Er sieht mich so sanft an, dass ich dankbar dafür bin, kein Herz aus Fleisch und Blut zu besitzen, denn wenn ich eins hätte, würde es jetzt wie wild klopfen. So behalte ich aber meine Stellung und betrachte ihn nur weiter. Die Züge auf seinem Gesicht werden immer weicher, er sieht mich an, als ob er mich zum ersten Mal sehen würde. Vielleicht, weil er mich ja zum ersten Mal "schlafend" sieht. Aber....... was sehe ich da in seinen Augen? Ich sehe etwas, von dem bisher ich nur einmal einen Ansatz gesehen habe. Ich sehe... aber das kann nicht möglich sein… ich sehe Gefühle, etwas tiefer Liegendes… etwas wie... Liebe? Aber auch etwas anderes. Ich sehe, dass er hin und her gerissen ist. Was bewegt ihn? Kann es sein, dass er darüber nachdenkt, seine Einstellung mir gegenüber zu ändern? Uns gegenüber zu ändern?

She is sleeping now, softly in the night,
And in my heart of darkness she has been the only light,
I am lost in love, looking at her face,
And still I hear the voice of reason,
Telling me to chase these dreams away,
Oh here we go again, we're divided from the start,
For we cannot live together, and we cannot live apart,
It's the classical dilemma between the head and the heart,
The head and the heart;

Dylan
Ich fühle mich, als nähmen mich zehn Nietzscheaner gleichzeitig in die Mangel. Mein Kopf sagt mir, dass zwischen Rommie und mir niemals etwas anderes sein kann als die professionelle Beziehung zwischen Captain und Crewmitglied. Verstohlen sehe ich zu ihr herüber, mustere das aparte Frauengesicht, sehe, wie sich eine Haarsträhne über ihre Stirn gelegt hat. Mein Herz, mein Gefühl, das Flattern in meinem Bauch sagt mir etwas ganz anderes. Viel lieber würde ich ihr die Strähne aus dem Gesicht streichen… Immerhin scheint wenigstens eine von uns beiden sich ihrer Gefühle sicher zu sein - Rommie macht aus dem, was sie für mich empfindet, mir gegenüber kein Geheimnis. Für sie stehe ich an erster Stelle vor allen anderen Crewmitgliedern, die diese Eigenart schon längst akzeptiert haben. Auch ich habe ihr Verhalten immer als Selbstverständlichkeit hingenommen - zuerst von der Haupt-KI, dann vom Hologramm und schließlich auch von ihr, Andromeda in Menschengestalt, so zart und unschuldig wie ihre antike Namensgeberin, die einem Ungeheuer zum Fraß vorgeworfen sollte. Doch meine Erfahrungen mit anderen KIs haben mir gezeigt, dass ich in Rommie ein Juwel besitze. Meine Güte, wie konnte ich ihr nur erlauben, sich auf Gabriel einzulassen… ich hätte meinem Instinkt folgen und den angeblichen Flüchtling aus der nächsten Luftschleuse werfen sollen, bevor er Rommie dieses Leid hätte zufügen können. Aber auch da habe ich auf die Stimme der Vernunft gehört, so wie während meines gesamten Lebens als Ehrengarde Offizier. Gefühle sind nichts, Vernunft ist alles. Doch hier, an Bord der Maru, irgendwo auf einem gottverlassenen Planeten, frage ich mich, ob Vernunft wirklich das erstrebenswerteste Ziel im Leben eines Menschen ist… das Dilemma, in dem ich stecke, wird mir langsam bewusst. Ich, der Mensch, der nach Vernunft strebt, und Rommie, die Logik in Personifizierung, die nach Gefühlen giert. Unruhig suche ich nach einer bequemeren Lage, versuche, mich auf einen anderen Gedanken zu konzentrieren. Vielleicht sollte ich mich langsam damit anfreunden, dass das alte Ehrengardeprotokoll kein Hindernis ist… das ganze Neue Commonwealth entwickelt sich nicht so, wie das Alte einmal gewesen war. Warum muss ich stur an etwas festhalten, was schon vor vielen Jahren untergegangen ist? Dann sehe ich wieder Rommies Tränen überströmtes Gesicht vor mir nach dem Tod Gabriels, das Leid, das sie empfunden hat, die Verzweiflung. Ihre flehende Bitte, ihren Körper zu zerstören. Wie damals verkrampft sich etwas in mir. Sie würde wieder leiden, wenn wir die Linie, die uns noch trennt, überschreiten würden, denn irgendwann würde ich sie allein lassen. Ich habe ihr zwar versprochen, so lange ich lebe bei ihr zu bleiben - doch wie lang könnte dieser Zeitraum sein? Rommies Lebensdauer ist im Vergleich zu meiner unermesslich lang…

Rommie
Die Zeit vergeht und ich tue noch immer so, als ob ich schlafen würde. Aber ich kann ständig seinen Blick auf mir fühlen, ich sehe, dass er einen Kampf mit sich selbst führt. Ab und zu seufzt er leicht und wendet seinen Blick von mir weg. Aber nie für lange. Immer wieder sieht er mich an und versucht, mit sich selbst ins Reine kommen. Manchmal ist sein Blick glücklich, nur um im nächsten Augenblick wieder irgendwie abwesend zu wirken. Ich kann in seinen Augen sogar Schmerz sehen. Ich habe Angst vor der Hoffnung in meinem Herzen. Ich habe Angst, ich werde wieder verletzt. Ich darf nicht darauf hoffen, dass sein Herz über seinen Kopf siegen wird. Es wäre zu schön, um wahr zu sein. Aber meine Angst bleibt…. aber irgendwie auch die Hoffnung…

Now the dawn begins, and still I cannot sleep,
My head is spinning round but now the way is clear to me,
There is nothing left, nothing left to show,
The jury and the judge will see, it's time to let her go,

Dylan
Mittlerweile taucht das erste Licht des aufgehenden Tages den Planeten in trübes Licht. Ich sehe es an den Konturen, die sich langsam gegen das durch das Cockpit hereinfallende Dämmerlicht abzeichnen. Ich grüble immer noch mit dem Gesicht zur Wand; die Stille an Bord der Maru ist beängstigender als Kampflärm auf der Andromeda. Ich muss verrückt sein, mir eine halbe Nacht um die Ohren zu schlagen, während sich meine Gedanken immer nur um das Thema drehen, was für eine Art von Beziehung Rommie und mich verbindet.


Rommie
Überrascht aber auch hoffend sehe ich, dass die Augenblicke des Glücks in seinen Augen immer länger werden, dass Schmerz und Verwirrung immer seltener in seinen Augen zu sehen sind. Hat er sich schon entschieden, oder ist es nur etwas, das meine Schaltkreise mir vorgaukeln, etwas, das aus meinem Inneren, meiner Seele kommt? Aber - habe ich überhaupt eine Seele? Rev Bem hat mir einst gesagt, dass alles, was lieben kann auch eine Seele hat, aber ich konnte ihm nicht glauben. Jedoch..... ich verspüre Liebe und beginne sogar langsam daran zu glauben, dass ich wirklich eine Seele habe. Sonst könnte ich mich ja nicht so fühlen, wie ich mich gerade fühle! Ich spüre neue Hoffnung in mir wachsen und bemerke verwirrt, dass ich leicht zittere. Das ist wirklich eigenartig! Ich zittere, obwohl ich es eigentlich nicht tun sollte, nicht tun dürfte. Verdammt, Harper! Warum musstest du mich so menschlich machen! Aber...... andererseits...... deswegen kann ich vielleicht hoffen, endlich als Frau angesehen zu werden. Danke, Harper!

Now hear the heart,
Oh, I believe that time will show,
She will always be a part of my world,
I don't want to see her go,
So I plead my case to hear the heart,
And stay...

Jetzt dreht er sich wieder weg von mir und starrt an die Wand. Ich will meine Augen öffnen, ich will ihn liebevoll ansehen, ich will ihm mit meinem Blick zeigen, was ich empfinde, aber ich kann es einfach nicht! Er muss sich selbst entscheiden, er muss selbst mit diesem Dilemma klar kommen, er muss..........

Und ich? Mir bleibt nur die Hoffnung. Egal, wie er sich entscheiden wird, egal, was morgen passiert, ich werde ihm treu bleiben. Vielleicht glücklich, vielleicht weiter nach Sternen greifend und verletzt, aber ich werde bei ihm bleiben. Wie könnte ich nur anders? So lange er lebt werde ich an seiner Seite bleiben. Als Freund, als Mitkämpfer, als seine treue KI, oder......... vielleicht.......... auch als etwas mehr?

It's time to let her go - I don't wanna let her go...
It's time to let her go - I don't wanna let her go...
It's time to let her go - I don't wanna let her go...
It's time to let her go...

Dylan
Zum Teufel mit der Logik, denke ich auf einmal. Wenn alles so klar wäre, würde sie in diesem Moment arbeiten statt mir zu Liebe zu "schlafen". Ich glaube nicht einmal, dass sie tatsächlich schläft. Sie hat sich wie immer meinem Willen gefügt… doch was ist eigentlich ihr Wille? Was will Rommie? Die Stimme in meinem Kopf meldet sich wieder und fragt, ob ich darauf wirklich eine Antwort haben will. Ich will. Ich muss sie ansehen und herausfinden, was sie will. Vielleicht ist es ja das, was ich will, obwohl ich weiß, dass ich es nicht dürfte… die nächste Schlacht wird kommen, und dann muss ich wieder der Captain sein können. Aber hier und heute… ich muss wissen, was ich bisher nur gespürt habe. Und wenn es die verkehrteste Entscheidung meines Lebens sein sollte, aber dieses Dilemma muss ein Ende haben. Ich muss mich jetzt entscheiden. Ich habe mich entschieden. Gegen alle Bedenken. Befreit atme ich auf und drehe langsam meinen Kopf zu ihr herum…

Rommie
Plötzlich dreht Dylan sich wieder zu mir und sein Blick ruht auf mir. Er hat sich offenbar entschieden. Langsam streckt er seinen Arm nach mir aus………....

And in this classical dilemma
I find for - the heart.

Ich öffne meine Augen weit und blicke in seine. Seine Hand zögert leicht, aber in nächstem Augenblick setzt sie ihre Bewegung zu mir fort. Ja, er hat sich entschieden!

zurück zu FanFiction